Fliegenfischer

Seidene Zeiten

Die alten Hasen haben sie noch gefischt, die jüngeren Fliegenfischer kennen sie bestenfalls vom Hörensagen: Seidenschnüre. Doch es gibt sie noch - in einem kleinen Dorf in Tal der Loire in, Frankreich werden diese Schnüre von Hand gefertigt.

Von Rolf Baginski.

Mike Brooks mit einer fast fertigen Seidenschnür. Bei der aufwendigen Herstellung der SeidenSchnüre werden 16 Fäden feinster chinesischer Seide geklöppelt, mehrere Tage lang imprägniert, geschliffen und poliert.

So kann man sich in der Richtung tauschen! Als mein Kopf fast auf dem Lenkrad aufschlug merkte ich, daß ich mal mal wieder zu optimistisch an die Reise herangegangen war. Himmelfahrt, abends 19 Uhr, ist ein unheimlich guter Termin um loszufahren. Die Autobahnen sind relativ leer - aber es sind doch fast 1400 Kilometer bis zum Tal der Loire in Frankreich, jedenfalls von Bremen aus.

Von dort aus hatte ich überraschend den entscheidenden Anruf von meinem alten Freund Mike Brookes erhalten.

Ich hatte Mike ziemlich genau vor 12 Jahren kennengelernt, ein Rutenbauer aus England, der hervorragende Gespließte baute, besuchte ihn und wir hatten eine fantastische Fischerei am Wye in der Nähe von Sheffield. Doch davon mehr an anderer Stelle. Jahrelang hatte ich nichts mehr von ihm gehört - und jetzt ein Anruf aus Frankreich.

"Hör mal, Rolf, besuch mich doch mal hier, es ist wunderschön, das Essen fantastisch, der Wein außergewöhnlich und außerdem habe ich ein altes Landgut und die Firma 'Phoenix' gekauft!" Mein Interesse war sofort geweckt verbirgt sich doch hinter dem Namen 'Phoenix' die Firma, die noch heute Seidenleinen produziert. Und das ist auf der Welt ziemlich einzigartig.

Wie Phonix aus der Asche

Die ersten mit Öl imprägnierten Seidenschnüre wurden in England 1880 von Eaton Deller produziert. 1908 startete PD Malloch of Perth die Produktion der 'Kingfisher' – Seidenschnüre, die über viele Jahrzehnte hinweg den Standard für diese Art von Schnüren darstellte und überall auf der Welt gefischt wurde. Erst Mitte der 60er Jahre wurde sie durch die modernen Kunststoffleinen verdrängt und verschwand völlig vom Markt.

In den späten 70er Jahren gründete Noel Buxton die Firma 'Phoenix' und begann nach den Vorgaben der 'Kingfisher' die alte Tradition der Seidenschnüre fortzusetzen. Diesem Mann verdanken wir es, daß auch heute noch diese feinen Leinen erhältlich sind. Seine Argumente waren:

  1. Eine Seidenschnur bildet kein 'memory', wenn sie von der Rolle kommt.
  2. Gefettet wird sie als Schwimmschnur gefischt.
  3. Ungefettet arbeitet sie als langsam sinkende Schnur.